Letztes Feedback

Meta





 

Wahlkampf mit dem Hinterteil

so betitelte die Augsburger Zeitung einen Artikel über eine Wahlkampagne der Partei Die Republikaner. Sie führte zu heftigen Reaktionen seitens der Bürger und Bürgerinnen. Das mindeste waren Diskussionen über die künstlerische Aufmachung von Wahlplakaten. Es ging aber auch bis hin zu strafrechtlichen Anzeigen von Personen, die sich durch die Kampagne persönlich beleidigt fühlten. Es kam aber auch zu heruntergerissenen Plakaten.

Wenn man dies alles verfolgt, wenn man sich überlegt, welche Partei diesen ganzen Wirbel verursacht hat, dann muss man sich fragen ob die Reaktionen in irgend einem Verhältnis zur Bedeutung der Wahlkampagne steht?

Wir haben das Plakat einer politischen Partei und fühlen uns durch dieses Plakat persönlich beleidigt. Man sieht nichts weiter als vier nackte Hinterteile, verschieden eingefärbt, und darunter eine Schriftzeile mit der Frage: Welchen A.... wählen Sie nächstes Mal?

Bevor ich jetzt weiterschreibe, will ich klarstellen, dass ich bestimmt nicht den Republikanern das Wort reden will. Dazu ist mir die Partei zu weit rechts. Aber auch einer solchen Partei muss man zugestehen, dass sie ihre Meinung frei äußern darf. Allerdings müssen die Grenzen des guten Geschmacks eingehalten werden. 

Aber es geht hier nicht um kleinliche Parteipolitik, sondern es geht darum, wie mit Parteien, die vielleicht die Grenzen des guten Geschmacks verletzt haben, zu verfahren ist. Es geht darum, festzustellen, ob man mit einer Strafanzeige gegen die Urheber der ganzen Aktion nicht genau das Gegenteil erreicht? Ist jetzt das eingetreten, was die Befürworter von Strafanzeigen eigentlich verhindern wollten, nämlich eine größtmögliche Öffentlichkeitswirkung der Kampagne?

Sehen wir uns doch zunächst einmal an, wer hinter dieser Aktion steht. Es wurde schon mehrfach gesagt, es sind Die Republikaner. Seit ihrer Gründung 1983 war die Partei eine Zeitlang auf einem aufsteigenden Ast, aber seit dem Jahr 2000 spielt sie keine Rolle mehr. Allenfalls wird sie noch in Kommunalvertretungen gewählt. Bundespolitisch ist ihre Bedeutung zu vernachlässigen.

So eine „bedeutende Partei“ hat also in einem Bundeswahlkampf eine Idee, die zugegebenermaßen etwas aus dem Rahmen fällt. Ob man diese Idee als lustig oder als geschmacklos bezeichnen soll, liegt wohl eher beim jeweiligen Betrachter. Aber sie ist jedenfalls nicht so geschmacklos, dass man sie mit einer Strafanzeige verfolgen müsste. Nackte Hinterteile sind heute schon zuhauf in der Presse zu sehen und können keinen Menschen mehr so wahnsinnig beleidigen. Zumal der Umgangston während eine Wahlkampfes dazu tendiert etwas rauer zu sein. Man denke nur an die Postkarte der SPD, die die Affäre „Hoeneß“ zum Thema hatte.

Auf der anderen Seite muss man auch bedenken, dass Plakate gedruckt werden um aufgehängt zu werden und möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das ist der Sinn eines Wahlplakats. Wenn ich davon ausgehe, dass diejenigen Mitbürger, die so eifrig ihre Anzeigen auf den Weg gebracht haben nicht unbedingt zum Kreis der Sympathisanten dieser Partei gehören, dann kann ich diesen Personen nur gratulieren. Ihr Einsatz hat sich voll bezahlt gemacht. Waren vorher die Plakate eine bessere Volksbelustigung über die man lachen oder sich beim Bier am Stammtisch amüsieren konnte, so haben die Strafanzeigen die ganze Aktion aus der Ecke der Belustigung heraus geholt und ihr eine neue Dimension gegeben. Zumindest in den Stadt- und Landwahlbezirken in denen die Wahlplakate aufgehängt wurden, hat man so für eine bessere Verbreitung des Namens Die Republikaner gesorgt und damit hat das Wahlplakat seinen Zweck erfüllt.

Um es klar zu sagen, all die aufrechten Bürger und Bürgerinnen die voll des bürgerlichen Grauens ihre Anzeige aufgegeben haben, haben sich einen Bärendienst erwiesen. Es wäre doch besser gewesen, angesichts der Tatsache, dass den Anzeigen sowieso kein Erfolg beschieden sein wird, es zu machen wie die anderen und über die ganze Geschichte zu lachen.

Manchmal ist es sicher ganz gut auch die Politik nicht so bierernst zu sehen.

Rödental, 13.09.2013


13.9.13 16:59

Letzte Einträge: Mein Erlebnis Ende August/Anfang September 2013 , Erste Schritte, Erste Schritte, Mein Erlebnis Ende August/Anfang September 2013 , Mein Erlebnis Ende August/Anfang September 2013

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen